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Junge Handwerker arbeiten gemeinsam für Europa (Projekt „Der Stuhl“)




 

Kurzinformation über ein laufendes Projekt des aktuellen forums nrw

 

 

Das aktuelle forum nrw, anerkannter Träger der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung sowie der freien Jugendhilfe, will mit seinem Projekt „Der Stuhl“ internationale Jugendbegegnungen für handwerklich arbeitende Jugendliche gestalten. Die jungen Menschen sollen gemeinsam arbeiten und sich kennen lernen, um Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit abzubauen. Wichtig ist uns, dass auch junge Handwerker mit ihren Handwerksmeistern, Lehrern und Sozialpädagogen Gelegenheiten zur Begegnung mit Jugendlichen anderer europäischer Länder erhalten. Es kommt uns darauf an, Jugendlichen im Handwerk, insbesondere solchen mit schwierigen Lebensbiografien, neue persönliche und berufliche Lernimpulse durch ein gemeinsames Arbeiten für Europa zu vermitteln.

 

Die Projektidee beruht auf früher durchgeführten Handwerkerprojekten in Lidice (Tschechische Republik) und Kalavryta (Griechenland), an denen das aktuelle forum nrw beteiligt war. Lidice und Kalavryta sind zwei von sehr vielen Orten nationalsozialistischer Massaker im von Deutschland während des zweiten Weltkrieges besetzten Europa. In den Jahren 2001 und 2002 renovierten Jugendliche aus Einrichtungen der Jugendberufshilfe in Nordrhein-Westfalen den Rosengarten der Gedenkstätte in Lidice und pflanzten ca. 23.000 Rosenstöcke neu. Im Jahr 2003 wurden mit der gleichen Zielgruppe der Fußweg zwischen der Gemeinde Kalavryta und der Gedenkstätte erneuert und 250 Oleanderbäume gepflanzt. Die Jugendlichen aus Deutschland wurden in Vorbereitungsseminaren mit der Thematik konfrontiert, leisteten während der 14-tägigen Aufenthalte praktische Arbeit vor Ort, lernten die kulturelle und politische Situation des jeweiligen Landes kennen und reflektierten ihre Erlebnisse in Nachbereitungsseminaren. Im Ergebnis hat die Teilnahme das Selbstbewusstsein der Jugendlichen durch die geleistete Arbeit gestärkt und eine positive Erinnerung an die Auslandsreise hinterlassen. Wichtig war auch die Anerkennung ihrer Arbeit durch die Repräsentanten der jeweiligen Gemeinde bzw. Region.

 

Für das aktuelle Projekt stehen dem aktuellen forum nrw in den Jahren 2009 bis 2011 etwa eine Million Euro zur Verfügung, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF), des Bundesarbeitsministerium (BMAS) und dem Land Nordrhein-Westfalen kommen.

Die praktische Umsetzung sieht vor, gemeinsam mit kooperierenden Jugendberufshilfeträgern in mehreren Gruppen an verschiedenen Orten Europas Handwerkerprojekte durchzuführen und diese entsprechend vorzubereiten. Eine nähere Beschreibung des geplanten Ablaufs findet sich in Teil A. Ziele sind nachhaltige Begegnungen zwischen Jugendlichen verschiedener Länder Europas, die diese Gelegenheit sonst nicht erhalten würden sowie der Aufbau langfristiger Beziehungen zwischen den beteiligten Jugendberufshilfeträgern aus Deutschland und den Projektorten in Europa.

Zugleich soll durch dieses Vorhaben deutlich gemacht werden, dass kulturelle und internationale Bildungsarbeit bislang in zu geringem Maß in die Arbeit mit diesen Jugendlichen eingeflossen ist und zu Anregungen bzw. Vorschläge führen, ob und wie aufgrund der bisherigen und noch zu machenden Erkenntnisse und Erfahrungen die berufliche Förderung für bildungsbenachteiligte Jugendliche weiterentwickelt werden kann. Einzelheiten sind im Teil B. Entwicklung „Neue Förderlinie“ skizziert.

 

 

 

Teil A. Durchführung kurzzeitpädagogischer Maßnahmen

Die Durchführung wird in bis zu 12 Teilvorhaben mit jeweils ca. 10 Jugendlichen erfolgen. Jedes dieser 12 Teilvorhaben wird ca. ein Jahr dauern und die unten aufgeführten Module umfassen. Etwa die Hälfte der Aktivitäten wird 2009 beginnen, die zweite Hälfte 2010.

 

Modul 1: Vorbereitung der Jugendlichen vor Ort (Jugendberufshilfeträger)

Über einen Zeitraum von 5 Wochen erarbeiten sich die Jugendlichen an jeweils zwei Tagen Sachinformationen über die im Auslandseinsatz zu verrichtenden Arbeiten, verschaffen sich Informationen über das Gastland und bilden sich persönlich weiter durch Teilnahme an kultur- oder medienpädagogischen Angeboten.

 

Modul 2: bis zu fünftägiges Kompaktseminar (Jugendbildungsstätte)

Hier bieten sich neben der inhaltlichen Vorbereitung weitere Möglichkeiten an, die bezogen auf die Vorraussetzungen der Jugendlichen ausgewählt werden: Beispielsweise sind Formen der Körpererfahrung (Figurentheater, Pantomime, Sport, Entspannungsmethoden), Sozial- bzw. Konfliktrainings oder Methoden der Medienarbeit denkbar.

 

Modul 3: Gemeinsame Informationsfahrten (Unternehmungen)

Zur Verstärkung von Gruppenbildungsprozessen, der Verbesserung persönlicher und gruppenbezogener Disziplin und Verlässlichkeit und zum weiteren Erwerb von Sachinformationen werden gemeinsame Unternehmungen durchgeführt. Dies können je nach Vorraussetzung der Gruppe erlebnispädagogische Unternehmungen (z.B. Plattboot-Segeln, Kanutour auf der Ruhr, Klettern im Hochseilgarten/Klettergarten) oder andere Unternehmungen wie beispielsweise ein Gedenkstättenbesuch, eine Berlinfahrt o.ä. sein.

 

Modul 4: bis zu zweiwöchiges Auslandspraktikum (Handwerkereinsatz)

Gemeinsam mit handwerklich arbeitenden Jugendlichen aus dem Gastland arbeiten die Jugendlichen aus Deutschland gemäß ihrer fachlichen Ausrichtung an der Neugestaltung z.B. einer Gedenkstätte, eines Landschaftsparks oder einer anderen sozialen Einrichtung (Kindergarten, Kirche, Jugendzentrum usw.). Die Arbeiten werden so gewählt, dass in den Tagen des Aufenthalts ein Ergebnis erzielt werden kann. Außerdem wird ein Kultur- und Freizeitprogramm gestaltet, in dem die Kenntnisse über das Gastland vertieft werden und kulturelle Begegnungen mit Jugendlichen des Gastlandes stattfinden können.

 

Modul 5: Gegenbesuch

Angestrebt werden Gegenbesuche der Jugendlichen mit denen im Gastland zusammen gearbeitet wurde mit einem Projekt analog zu Modul 4. Dabei muss die Übernahme der Fahrt- und Aufenthaltskosten der ausländischen Jugendlichen geklärt werden, weil sie vom ESF-Bundesprogramm XENOS nicht übernommen werden.

 

Modul 6: Dreitägiges Kompaktseminar (Bildungsstätte)

Dieses Seminar mit mehreren Gruppen zusammen dient der Reflexion über die Einsätze im Aus- und Inland sowie einem Resümee des Projekts aus der Sicht der teilnehmenden Jugendlichen und Mitarbeiter.

 

 

 

Teil B. Entwicklung „Neue Förderlinie“

Das gesamte Projekt soll durch eine fachliche Auswertung begleitet werden, die mit Hilfe von Fragebögen, Interviews und teilnehmender Beobachtung die unmittelbaren Wirkungen im qualitativen wie auch im quantitativen Bereich zu erfassen versucht. Es handelt sich sowohl um eine Prozessevaluation als auch um eine Ergebnisevaluation. Erfahrungen haben gezeigt, dass die Evaluation zur Optimierung von Maßnahmen beiträgt und im laufenden Prozess wichtige Erkenntnisse für den weiteren Verlauf liefern kann. Diese Ergebnisse werden Teil des Abschlussberichtes / Sachberichtes sein.

Bezüglich der Entwicklung der „Neuen Förderlinie“ wird es darum gehen, die Notwendigkeit grenzüberschreitender Aktivitäten für die Förderung bildungsbenachteiligter junger Menschen zu dokumentieren, einen (fach)politischen Erfahrungsaustausch, etwa durch die die Veranstaltung von Expertinnen-Gespräche zu verstärken und schließlich Vorschläge für die Weiterentwicklung von Curricula sowie von einschlägigen Richtlinien und Gesetzen zu unterbreiten.

 




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