Geschichte
Von damals bis heute!

Geschichte des aktuellen forums

Mit rund 40 Jahren ist das aktuelle forum ein recht junger Verein, doch seine Entwicklung spiegelt dennoch die jüngste Geschichte der BRD wieder.

Beginnen wir mit Schlagworten wie "Mehr Demokratie wagen!", "Vietnam-Proteste", der erste Mann auf dem Mond, Studentenrevolte und APO. Sie stehen für die Gründungszeit und machen die damalige Um- und Aufbruchstimmung deutlich.

Im Ruhrgebiet gründen sich lokale Foren, die sich durch Podiumsdiskussionen und gezielte Aktionen aktiv in die Tagespolitik einmischen; doch schon bald wird deutlich, dass die einzelnen Gruppen mit der Planung und Durchführung von Großveranstaltungen überfordert sind, und so entsteht die Idee eines übergeordneten Forums.

Aus dem Forum Wanne- Eickel wird am 30. Januar 1968 das aktuelle forum NRW gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören u. a. Johannes Rau, der den Vorsitz übernimmt, Willi Schäfer, der damalige Bildungsreferent der Falken und Helmut Hellwig, der langjährige 1. Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende des aktuellen forums.

Gründungsveranstaltung ist eine Diskussionsveranstaltung zwischen dem damaligen "Studentenführer" Rudi Dutschke vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und Johannes Rau in der Stadthalle Wattenscheid … das erste öffentliche Zusammentreffen von Dutschke mit einem prominenten Sozialdemokraten.

http://www.wanne-eickel.de/Bild_der_Woche/Woche_8-2006/woche_8-2006.html

Johannes Rau wird der erste Vereinsvorsitzende  in der Geschichte des aktuellen forums.

Ziel ist es, Bildungsarbeit vor allem mit bildungsungewohnten Schichten zu betreiben. Daher werden u. a. gezielte Veranstaltungen für Schichtarbeiterinnen in Großbetrieben angeboten.

Mit den 70´er Jahren kommt der Aufschwung des af. 1970 nehmen ca. 10.000 Personen an 55 Einzelveranstaltungen teil und 1971 kann mit Heinrich Eppe der 1. hauptamtliche Pädagogische Mitarbeiter (HPM) eingestellt werden. Ein Jahr später kommt Jörg Höhfeld.

Auf Forderung der Landeszentrale für politische Bildung trennt sich das af 1972 finanziell und organisatorisch von den Falken, u. a. wegen tendenziöser Plakate zum Ostermarsch. Bildungspolitisch gesehen wird es eines der erfolgreichsten Jahre. Bei einem Auftritt des Kabaretts "Die Wühlmäuse" ist der Andrang so groß, dass sie im Folgejahr weitere 4 Vorstellungen geben. Durch dieses Spektakel können nicht nur Interessenten für weitere Veranstaltungen gewonnen werden, sondern erstmals werden neue Wege zur Vermittlung politischer Inhalte eingeschlagen.

Nach Inkrafttreten des 1.Weiterbildungsgesetzes 1975 wird das af am 17.07.1975 vorläufig als "Träger der politischen Erwachsenenbildung" anerkannt. Dies ermöglicht die Einstellung von zwei hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeitern: Jurgen Voß und Christoph Rabanus.

Mit Inkrafttreten des Weiterbildungsgesetzes findet eine Ausweitung der Seminararbeit statt. Neben den Angeboten für Schichtarbeiterinnen nimmt in den folgenden Jahren verstärkt die Arbeit mit Initiativen größeren Raum ein. Es entsteht eine rege Zusammenarbeit mit verschiedenen Gruppen wie Elterninitiativen und Fauengruppen. Durch Zusammenarbeit mit Frauenselbsthilfegruppen, Frauenzentren und -projekten entstehen die Frauenseminare des af´s, die sich ausschließlich an Frauen wenden. Durch Kontakte zu Gruppen aus der Anti-AKW- und Friedensbewegung werden eine Reihe von Veranstaltungen zu diesen Themengebieten angeregt.

1977 wird das af offiziell als Weiterbildungsträger anerkannt. Der zunehmende Anteil an Frauenseminaren führte 1978 zu der Einstellung der ersten weiblichen Bildungsreferentin, Jutta Richter, die den frauenspezifischen Teil der Bildungsarbeit qualifizieren sollte. Die 80´er Jahre sind gekennzeichnet durch die Auseinandersetzung um den Nato-Doppelbeschluß, das Scheitern der sozial-liberalen Koalition, Tschernobyl und den Fall der Mauer. Themen die das af in den folgenden Jahren intensiv diskutiert. Mit Beginn der 80´er Jahre muss das quantitative Angebot des af´s um 30% reduziert werden, da die öffentliche Mittelzuweisung geringer ausfällt. Neue Bildungsthemen wie alternative Wirtschaftspolitik mit dem Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel, Medienpolitik und Faschismus werden in den Seminarplan aufgenommen. Durch das Inkrafttreten des Bildungsurlaubsgesetzes (AWBG) 1985 werden Bildungsurlaubsseminare vermehrt angeboten. In den Bildungsurlauben werden neue methodische Wege beschritten, u. a. werden Bildungsurlaube in Verbindung mit Fahrradtouren durchgeführt, um Probleme von Ort zu er"fahren". Diese neue Konzeption beginnt mit dem Seminartitel "Wissen auf Rädern", "Frauen und Touren".

Politische Aktualität ist die oberste Direktive und es gilt neue Themen unmittelbar in den Bildungsplan mit aufzunehmen, was an den Themen zu Tschernobyl, AIDS und SDI deutlich wird. Neue Wege und Konzepte bei der Umsetzung politischer Bildungsarbeit werden beschritten und führen zum Verlassen des bisherigen Seminarraums. So werden zum Beispiel ökologische Gebiete, wie das Wattenmeer, erkundet oder direkt vor Ort mit Minderheiten über ihre Situation diskutiert.Obwohl auf die Durchführung von Projekten und Großveranstaltungen aus Kostengründen immer seltener eingegangen werden kann, werden 1992 die Karibik-Frauen-Wochen in Kooperation mit dem Verein"Frauen der Welt" und verschiedenen Volkshochschulen durchgeführt.

Sein 25-Järiges Bestehen kann das af 1993 feiern. Um dieses besondere Ereignis in einem angemessenen Rahmen zu begehen, gibt es in den Flottmannhallen in Herne einen großen Empfang, bei dem Ministerpräsident Johannes Rau Ehrengast ist. Eine Fachtagung zur Situation der Weiterbildung ergänzt das politische Programm. Zu den wichtigsten Aktivitäten der folgenden Jahre bis heute zählen u. a. die Auseinandersetzung mit dem Islam und der Themenschwerpunkt Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit.In den Jahren 1999 und 2000 beginnt eine intensive Diskussion um ein neues Profil des aktuellen forums. Das Ergebnis ist eine neue Schwerpunktbesetzung auf 4 Bereiche: Ruhrgebiet, (Inter-)Nationales, Neue Medien, Frauen und Männer und die Einstellung neuer Mitarbeiterinnen Claudia Hermes und Britta Discher, die diese Bereiche zusammen mit Jutta Richter füllen. Die Seminararbeit hat sich in den letzten Jahren hin zu mehr projektorientierter Arbeit verändert. Zwar finden auch in Zukunft Seminare statt, die zu aktuellen Themen angeboten werden. Daneben werden Projekte entwickelt und durchgeführt, die mehr umfassen als ein Seminar oder eine Seminarreihe.

2001 ist das af an zwei großen Projekten beteiligt bzw. führt sie durch. Diese Projekte sind "Rechts rum?"- eine internetbasierte Simulation und "Rosen für Lidice", ein Projekt gegen das Vergessen.

Ein wichtiger Schwerpunkt im Jahre 2002 war die Fortsetzung des Projektes "Rosen für Lidice", das am 15.Juni 2002 mit der Gedenkfeier zum 60.Jahrestag der Zerstörung des Ortes Lidice zu einem vorläufigen Abschluss kam.An dieser Gedenkveranstaltung waren insgesamt drei Seminargruppen des aktuellen forums vertreten: Über 100 junge Handwerker und Handwerkerinnen, die den Rosengarten wieder hergestellt und für die Kinder des neuen Lidice einen Spielplatz errichtet hatten Teilnehmende des Seminars "Europäische Jugend gegen Gewalt und Rassismus" aus Polen, Weißrussland, Frankreich, Griechenland, Tschechien und Deutschland Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Bildungsurlaubsseminars "Orte des Gedenkens - Prag und Lidice". Die Fortsetzung dieser Arbeit findet in diesem Jahr und in 2004 statt. Die Orte sind Kalavryta / Griechenland und Oradour / Frankreich.