Politische Bildung –
Stärkung Landeszentrale für politische Bildung NRW und Rolle der Aufsuchenden Politischen Bildung
durch das Kooperationsprogramm „Demokratiewerkstätten in NRW“

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
die AG Demokratiewerkstätten in NRW möchte mit diesem offenen Brief alle Beteiligten des derzeitig
stattfindenden Wandels im Feld „Politische Bildung“ über unsere Gedanken informieren. Wir erleben
eine Zeit, in der uns vertraute Grundregeln des demokratischen Diskurses zunehmend missachtet
werden, bisher bewährte Orte der demokratischen Auseinandersetzung unter Druck geraten und
Entscheidungsprozesse delegitimiert werden bzw. nicht transparent und offen genug für alle sind.
Die Beteiligungsmöglichkeiten bei Themensetzungen und aber auch -bearbeitungen in unserer
Gesellschaft schrumpfen und reichen nicht mehr aus, oft sogar schließen sie aus. Die individuelle
Gestaltungsmacht schwindet zusehends für alle Beteiligte. Dabei braucht Demokratie alle. Umso
notwendiger und bedeutender wird die Aufsuchende Politische Bildung und darin als ein Format die
Demokratiewerkstätten. Denn sie bieten Zugänge, bauen diese Orte der demokratischen
Auseinandersetzung auf, gestalten sie, exemplarisch und grundlegend unter dem Dach politischer
Bildung.
Für einen weiteren konstruktiven Prozess in der Gesellschaft übernehmen wir damit beispielhaft
Verantwortung, wollen multiplizieren und die Beteiligung erhöhen. Im Prozess der Umgestaltung und
Neuverortung bzw. Einbettung der Landeszentrale für politische Bildung NRW mit dem anstehenden
gesetzgeberischen Verfahren wenden wir uns hiermit an die daran beteiligten
Entscheidungsträger*innen und die Fachebene. So wird beispielsweise die Rolle des Kuratoriums
maßgeblich sein und somit ist die Besetzung dieses Gremiums richtungsweisend für die weitere
Wegbeschreitung der Landeszentrale. Aber auch die Bedeutung der Partnerorganisationen der
Landeszentrale muss klar im Blick behalten werden.
Wir bitten daher um Berücksichtigung unserer Gedanken und Sorgen im parlamentarischen und
fachlichen Diskurs bei der anstehenden Ausgestaltung der Landeszentrale und auch bei der Fixierung
zukünftiger Rahmenbedingungen für die politische Bildung in NRW. Hier liegt uns besonders die
Aufsuchende Politische Bildung unter der Berücksichtigung erfolgreich gelebter Praxis in
Trägervielfalt am Herzen.

Die Demokratiewerkstätten sind seit beinahe 10 Jahren das erprobte Format Aufsuchender
Politischer Bildung mit hoher Sichtbarkeit in NRW. Aufsuchende Politische Bildung geht neue Wege
und verlangt sowohl von Politischer Bildung als auch ihren Kooperationspartner*innen wie der
Landeszentrale und den Akteuren und Akteurinnen vor Ort neue Formen der Zusammenarbeit. Dies
verdankt sich langjährig gewachsenen Kooperationserfahrungen zwischen der Landeszentrale und
der hohen Vielfalt der Trägerlandschaft. Diese Vielfalt bildet viele Milieus und soziale Gegebenheiten
in NRW ab und stellt somit nicht nur ein wichtiges Feld wissenschaftlicher Forschung dar. Sie
orientiert sich an einer Bildungslogik wie sie auch die bisherigen Forschungslagen und
Demokratieberichte bestätigen. Die Arbeit ließe sich noch vervielfältigen, ohne andere Gebiete und
Aufgaben der Landeszentralen einschränken zu wollen.

Die erfolgreiche Arbeit der Demokratiewerkstätten konnten wir nur erreichen unter den für unsere
Arbeit notwendigen Rahmenbedingungen, Strukturen und Grundsätzen. Diese wollen wir hiermit für
die weiteren parlamentarischen Diskurse und Entscheidungen um die Landeszentrale, aber auch den
weiteren Verlauf in Parlament und Fachdiskurs einbringen bzw. nochmals klar benennen.
– Die Unabhängigkeit der Landeszentrale in ihrer programmatischen Ausgestaltung wird
sichergestellt.
– Aufsuchende Politische Bildung (APB) in Form von Demokratiewerkstätten (DW) in
Kooperation mit der Landeszentrale wird fortgesetzt und finanziell abgesichert.
– Die Einbindung und Repräsentanz der Vielfalt der Träger vor Ort wird strukturell
sichergestellt.
– Die DW als Programm der APB bedeutet, die DW vor Ort die Potentiale heben zu lassen unter
gebotener Gestaltungsfreiheit.
– Die DWs als zentraler Arbeitsbereich werden nicht in Konkurrenz zu anderen politischen
Bildungsangebote gestellt.
– Demokratieberichte und aktuelle Forschungsergebnisse sind auch künftig bei Bewertung und
dem Ausbau der DWs zu berücksichtigen.
– Dies erfordert eine Stärkung der Netzwerkarbeit und ermöglicht den Austausch von
Entscheidungsträger*innen mit der Praxis in der politischen Bildung.

Wir stehen für einen Dialog mit allen Interessierten, der Fachöffentlichkeit und für den
parlamentarischen Diskurs zur Verfügung.
Gezeichnet alle Mitglieder der AG Demokratiewerkstätten,
für die Demokratiewerkstätten in Krefeld, Wuppertal, Düsseldorf, Dortmund, Duisburg, Bielefeld,
Köln, OWL, Stolberg, Rheinisches Revier
01.09.25

 

Offener Brief als PDF

Unter Bezugnahme auf:
Gill, Th. / Stapf-Fine, H. / Wallentin, A. (2025) Handbuch Aufsuchende Politische Bildung, Frankfurt
Landeszentrale für politische Bildung (2022) Selbstverständnis der Demokratiewerkstätten in NRW,
Düsseldorf abrufbar unter: https://www.politischebildung.
nrw/fileadmin/imperia/md/content/projekte/demokratiewerkstaetten/Broschuere_Selbstve
rstaendnis_DW_im_Quartier_2022.pdf
Meyer, L. (2025) Die Arbeit in der Demokratiewerkstatt – aufsuchende inklusive politische Bildung, in
Gill et.al.) (2025) Handbuch Aufsuchende Politische Bildung, Frankfurt S. 138-149