Im Rahmen unserer Arbeit im Themenschwerpunkt Erinnerungskultur besuchten Vorstandsmitglieder, Referent*innen und hauptamtliche Mitarbeiter*innen des aktuellen forums die Gedenkstätte Auschwitz sowie weitere Erinnerungsorte in Oświęcim. Die Studienfahrt bot die Möglichkeit, sich intensiv mit den nationalsozialistischen Verbrechen auseinanderzusetzen und die Bedeutung von Erinnerungsarbeit für unsere heutigen politischen Bildungsarbeit zu reflektieren.

Bereits die ersten Programmpunkte machten deutlich, dass Erinnerungskultur weit mehr ist als die Vermittlung historischer Fakten. Bei der Einführung in die Arbeit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim sowie während der Stadtführung wurde sichtbar, wie eng die Geschichte des Ortes mit den Lebensgeschichten der Menschen verbunden ist, die hier vor dem Holocaust lebten. Besonders der Besuch des Jüdischen Zentrums Oświęcim eröffnete einen Perspektivwechsel: Nicht allein die Geschichte der Verfolgung stand im Mittelpunkt, sondern auch das Erinnern an das vielfältige jüdische Leben, das durch die nationalsozialistische Gewalt nahezu ausgelöscht wurde.

Der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz I konfrontierte die Teilnehmer*innen mit den konkreten Dimensionen des nationalsozialistischen Terrors. Die Ausstellungen, Dokumente und persönlichen Gegenstände der Opfer machten deutlich, dass hinter den unvorstellbar großen Zahlen einzelne Menschen, Familien und Lebensgeschichten stehen. Viele Eindrücke ließen sich nur schwer in Worte fassen. Die gemeinsame Reflexion am Abend zeigte, wie sehr die Begegnung mit diesem historischen Ort berührte und zugleich Fragen nach Verantwortung, Erinnerung und gesellschaftlichem Handeln aufwarf.

Besonders eindrücklich war am folgenden Tag der Besuch von Auschwitz II-Birkenau. Die Weite des Geländes, die Überreste der Baracken und die Spuren der Vernichtungsmaschinerie machten das Ausmaß der Verbrechen auf bedrückende Weise erfahrbar. Das Wissen um die Geschichte dieses Ortes erhielt durch die unmittelbare Begegnung eine neue Tiefe. Viele Teilnehmer*innen berichteten von dem Eindruck, an einem Ort zu stehen, der symbolisch für das Menschheitsverbrechen der Shoah steht. Für die Erinnerungskultur besitzt dieser Ort eine zentrale Bedeutung.

Ein bewegender Höhepunkt der Studienfahrt war das Gespräch mit der Zeitzeugin Stefania Wernik. Ihre persönlichen Erinnerungen schufen eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die weit über historische Darstellungen hinausgeht. Die Begegnung machte deutlich, wie wertvoll die Berichte der letzten Zeitzeug*innen sind und welche Verantwortung daraus für kommende Generationen erwächst. Gerade vor dem Hintergrund, dass diese Stimmen in Zukunft nicht mehr unmittelbar hörbar sein werden, gewinnt die Aufgabe der Erinnerungsarbeit weiter an Bedeutung.

Für unsere Arbeit im Themenschwerpunkt Erinnerungskultur war die Studienfahrt von besonderem Wert. Sie hat uns darin bestärkt, Erinnerung nicht als rückwärtsgewandte Beschäftigung mit Geschichte zu verstehen, sondern als aktiven Beitrag zur Gestaltung der Gegenwart. Die Auseinandersetzung mit den Mechanismen von Ausgrenzung, Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit zeigt, wie wichtig es ist, historische Erfahrungen in aktuelle gesellschaftliche Debatten einzubringen.

Die Tage in Oświęcim haben eindrucksvoll vor Augen geführt, dass Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftlicher Zusammenhalt keine Selbstverständlichkeiten sind. Erinnerungskultur bedeutet deshalb nicht nur, an die Vergangenheit zu erinnern, sondern auch Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft zu übernehmen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse dieser Studienfahrt werden unsere politische Bildungsarbeit nachhaltig prägen und uns darin bestärken, Räume für Erinnerung, Begegnung und gesellschaftliche Verantwortung zu schaffen.